»Das war ein Scheiß, und das wissen wir auch.«

»Das war ein Scheiß, und das wissen wir auch.«

Beitragvon Barberman » Fr 9. Dez 2011, 18:32

Neues zum Thema Origin und EA !

Electronic Arts hat Community-Vertreter zu einem runden Tisch zum Thema Origin eingeladen. Michael Graf war für GameStar dabei und berichtet von der Datenschutz-Front.

Das Zitat des Abends gebührt Jens Uwe Intat: »Das war ein Scheiß, und das wissen wir auch«, kommentiert Electronic Arts‘ Europachef die erste Version der Online-Plattform Origin, in deren Lizenzvereinbarung (EULA) der Rechtsanwalt Thomas Schwenke zahlreiche Verstöße gegen das Verbraucher- und Datenschutzrecht festgestellt und damit eine hitzige Debatte angestoßen hatte. Deren letzter Akt entspann sich erst vor wenigen Tagen, als die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale den Publisher abgemahnt hatte. Jens Uwe Intats Botschaft ist klar: EA hält die Vorwürfe für berechtigt und gesteht seine Fehler ein. Das ist die erste positive Erkenntnis des runden Tischs zum Thema Origin, zu dem der Publisher am Donnerstag Abend Community-Vertreter eingeladen hatte.

Allerdings kann man Intat hier ein Guttenberg-Manöver unterstellen. Unser Ex-Verteidigungsminister hat einst die Vorwürfe, er habe seine Doktorarbeit abgeschrieben, einst mit einem lapidaren »Ich habe einen Fehler gemacht« beiseite gewischt, weitere Fragen unerwünscht. Auch EA möchte nicht diskutieren, wie die Rechtsverstöße überhaupt in die EULA gelangen konnten. Schlamperei? Hat da einfach jemand den Google-Übersetzer über den amerikanischen Lizenztext laufen lassen? Wie kann es sein, dass ein von der USK ab 0 Jahren freigegebenes Spiel wie Fifa 12 ebenfalls auf Origin setzt, obwohl minderjährige Spieler die EULA nicht einmal ansatzweise verstehen? Waren die Rechtsverstöße am Ende doch – Absicht? Diese Fragen interessieren die Spielerschaft brennend. Aufarbeitung ist an diesem Abend jedoch nicht gefragt und freilich auch nicht Aufgabe des runden Tischs. EA hat die Community eingeladen, um zuzuhören und gemeinsam nach vorne zu blicken. Das ist überraschend gut gelungen.

Der Publisher hört zu

Dass Electronic Arts den runden Tisch ernst nimmt, zeigt sich schon an dessen Besetzung: Neben Jens Uwe Intat, der als Europachef aus London angereist ist, sitzen an der (übrigens eckigen) Tafel auch der deutsche Geschäftsführer Olaf Coenen, der mit der EULA-Überarbeitung befasste Rechtsanwalt Konstantin Ewald sowie der amerikanische Origin-Oberboss Craig Rechenmacher. Greg Schaefer, der US-Cheftechniker der Online-Plattform, ist zumindest 40 Minuten lang via Videokonferenz zugeschaltet. Dem EA-Block gegenüber sitzen unter anderem Vertreter des Spieler-Verbraucherverbandes VDVC sowie des Community-Aktionsbündnisses TheOrigin, die jüngst in einem offenen Brief klare Forderungen an EA gestellt haben. Fortsetzung folgt ....
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Re: »Das war ein Scheiß, und das wissen wir auch.«

Beitragvon Barberman » Fr 9. Dez 2011, 18:34

Diese Forderungen sind auch das Hauptthema des Abend, wobei sich ein Schlagwort herauskristallisiert: Kommunikation. TheOrigin und der VDVC werfen EA – völlig zu Recht – vor, zu lange den Dialog mit der Community gescheut zu haben. Die Vorwürfe gegen Origin sind bereits über einen Monat alt, doch außer einigen schwammigen Statements von Olaf Coenen hatte der Publisher nichts zu sagen, lehnte die Einladung zu einer Podiumsdiskussion ab und gab erst recht keine Fehler zu. Klar, bereits nach wenigen Tagen hatte EA begonnen, die EULA zu ändern und rechtswidrige Klauseln auszumerzen. Doch die Gesprächsverweigerung hat die Community-Gemüter dennoch erhitzt und die Origin-Debatte weiter angeheizt – ähnlich wie vor drei Jahren, als sich die Fans über das auf fünf Installationen begrenzte Spore aufgeregt hatten. EA hatte die Einschränkung später per Patch aufgehoben, sich aber ebenfalls nie offiziell entschuldigt. Die Community möchte eben nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen werden. Coenen & Co. machen sich fleißig Notizen.

Sieben auf einen Streich

Zumal es um die Infopolitik von EA auch sonst nicht gerade zum Besten steht. Sebastian Radke, der Gründer von TheOrigin, weist darauf hin, dass alleine die deutschen EA-Webseiten auf sieben unterschiedliche Versionen der Origin-Lizenzvereinbarung, der Datenschutzrichtlinien und der Nutzungebedingungen für EA-Accounts verlinken. Was nun wann für wen gilt? Unübersichtlich. Zumal der Anwalt Konstantin Oswald berichtet, dass die Origin-Bestimmungen zwar bereits überarbeitet seien, die beiden anderen, ebenfalls teils rechtswidrigen Texte aber noch nicht. Die Arbeit daran laufe allerdings bereits und sei »in Kürze« abgeschlossen. Nun könnte man fragen: Warum nicht gleich so? Aber okay, Blick nach vorne.
Als der VDVC-Sprecher Patrik Schönfeldt anmerkt, dass in der bereits überarbeiteten Origin-EULA noch immer stehe, es gelte englisches Recht, verliert sich Ewald in einem rechtlichen Exkurs: Es sei unter Juristen grundsätzlich umstritten, ob diese Klausel überhaupt zulässig sei, was allerdings sowieso nichts daran ändere, dass der EULA deutsches Recht zugrunde liege, weswegen man eigentlich auch »Es gilt deutsches Recht« reinschreiben könnte. »Dann tun wir das doch!«, zischt Jens Uwe Intat, der offensichtlich selbst genervt ist von solchen Verklausulierungen, die den Dialog mit der Community weiter erschweren.

Ja, EA wird weiter an seiner Kommunikation arbeiten und der Antworten liefern müssen. Zumindest, wenn der Publisher nicht länger als »große, böse Spielefirma« wahrgenommen werden möchte – ein Image, das Olaf Coenen gleich zum Beginn des Treffens beklagt: »Wir wollen doch nichts Böses!« Selbst in den datenschutzrechtlich laxen USA habe sich das Unternehmen schon vor Längerem dazu bereits erklärt, sich von der Handelsaufsicht in die Datenbanken schauen zu lassen – ein Schritt, den das hierzulande ebenfalls lautstark kritisierte Sozialnetzwerk Facebook erst kürzlich ging. Auch das hätte EA der Community gegenüber längst herausstellen können. Warum damit extra auf den runden Tisch warten?

Neben der Kommunikation steht der Gesprächsabend unter einem weiteren Motto: Optionalität. Marcus de Roquez von TheOrigin bringt es auf den Punkt: »Warum fragt ihr die Spieler nicht, ob sie bei der Datensammlung helfen wollen?« Electronic Arts könnte – ähnlich wie Valve bei Steam – die Origin-Community vorab um die Erlaubnis bitten, Daten sammeln zu sammeln. Es gibt sicherlich viele Community-Mitglieder, die dazu bereit wären, Hardware-Daten zur Verfügung zu stellen, wenn sie damit dazu beitragen, die EA-Spiele zu verbessern. Man muss eben nur höflich fragen. So lange die entsprechenden Klauseln in einer EULA versteckt werden und automatisch akzeptiert werden müssen, fühlen sich die Spieler bevormundet.
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Re: »Das war ein Scheiß, und das wissen wir auch.«

Beitragvon Barberman » Fr 9. Dez 2011, 18:36

Belohnungen für VIP-Datenquellen

Robert Walther von TheOrigin spinnt den Vorschlag weiter: Man könne doch drei Arten von Origin-Accounts anbieten: In der Standardversion dürfen die Fans unbehelligt spielen, ohne Daten abzugeben. Wer in die Datensammlung einwilligt, steigt zum VIP-User auf und bekommt früheren Zgriff auf (kostenpflichtige) DLCs, etwa zu Battlefield 3 oder Mass Effect 3 . Und wer ein Premium-Konto erstellt, zahlt zwar Monatsgebühren, bekommt aber alle DLCs kostenlos. Jens Uwe Intat reagiert auf diesen detaillierten Vorschlag mit einem anerkennenden Lächeln, bei seinen Kollegen kratzen die Stifte.

Ansonsten ergeht sich die Runde in Detaildiskussionen, die sich allerdings ebenfalls als interessant entpuppen. Warum erfragt EA doppelt die Erlaubnis, Daten zu erheben? Weil Informationen für Betatest und ähnliches von der deutschen Zweigstelle, die Origin-Daten hingegen von US-Zentrale erhoben werden. Warum verlieren User, die im EA-Forum gebannt werden, auch den Zugriff auf ihren Origin-Account und damit all ihre Spiele? Das sei ein »bedauerlicher Fehler«, gesteht der Origin-Chef Craig Rechenmacher, man arbeite an einer Lösung, so etwas »dürfe nicht sein«. Wann wird der Origin-Client mit seinen happigen 120 Megabyte Installationsgröße endlich entschlackt? Man arbeite am Client, erklärt der Obertechniker Greg Schaefer, weitere Updates seien geplant. Was das heißt, bleibt erstmal ungeklärt.

Ungeklärt bleibt nach diesem Abend auch die Gretchenfrage, welche Daten Origin denn nun eigentlich sammelt oder vor der Client-Änderung gesammelt hat. Okay, das Computermagazin c‘t hat der Software jüngst bescheinigt, nicht auf andere Verzeichnisse zuzugreifen und nicht die Festplatte zu scannen. Robert Walther von TheOrigin hat jedoch selbst erlebt, dass ältere, bereits installierte EA-Titel nach der Origin-Installation plötzlich in der Origin-Spieleliste auftauchten. Wie soll das ohne Festplatten- oder zumindest Registry-Scan passiert sein? Greg Schaefer erklärt, er können sich »nicht erinnern«, dass Origin jemals zum Scan nach anderen Spielen oder Programmen eingesetzt worden sei. Definitiv ausschließen will er es nach mehreren Minuten Diskussion aber auch nicht mehr und verspricht, das noch mal zu checken.

Ob sich wirklich etwas ändern wird, steht freilich in den Sternen. Der geänderten EULA zum Trotz entspricht die Origin-Software in ihren Fähigkeiten immer noch einer Spyware. Ob der Client speziell für den deutschen Markt angepasst wird, kann oder will EA derzeit nicht sagen. Schon zu Beginn stellt Olaf Coenen klar, dass der runde Tisch nicht dazu da sei, solche Entscheidungen zu treffen. Es gehe um den Dialog, nicht um die Geschäftspolitik von EA. Dennoch machen er und seine Kollegen den ehrlichen Eindruck, zuhören zu wollen und den runden Tisch nicht als reines PR-Kammerspiel zu begreifen. Was daraus wird und ob sich EA tatsächlich noch formell bei der Community entschuldigt, bleibt abzuwarten. Der Anfang aber ist gemacht, es war höchste Zeit.

Dies ist die Zusammenfassung vom Runden Tisch, nach zu lesen auf http://www.gamestar.de/spiele/battlefield-3/artikel/runder_tisch_zu_ea_origin,45612,2562654.html

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